Ist Factoring auch eine Alternative für kleine und mittlere Unternehmen?

Was ist Factoring?

Die prinzipielle Definition könnte so lauten, dass ein Factor von seinem Kunden Forderungen übernimmt, welche dieser seinen Abnehmern gegenüber hat. Im Gegenzug zahlt der Factor einen Kaufpreis für diese Forderungen.

Aus meiner Beobachtung heraus lässt sich sagen, dass Factoring mittlerweile auch im Mittelstand angekommen ist. Es wird als Alternative zur Finanzierung und zur Absicherung gegen Forderungsausfälle akzeptiert und genutzt.

Wie hoch ist der Kaufpreis?

Das ist grundsätzlich die Höhe der bestehenden Forderung ./. eines Betrags für Finanzierung bzw. Management. Der Diskont liegt in der Regel bei einigen Prozent und ist abhängig von der Bonität des Schuldners und dem erwarteten Aufwand des Forderungsmanagements. Wenn die Forderung bei einem echten Factoring verkauft wird, ist eine Ausfallsicherung ebenfalls Bestandteil des Vertrages.

Allgemeines

Man unterscheidet zwischen echtem und unechtem Factoring. Ersteres beinhaltet den endgültigen Kauf der Forderung. Der Käufer übernimmt auch das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners.

Beim unechten Factoring kommt es nur zu einer Abtretung erfüllungshalber. Wird also die Forderung durch den Schuldner nicht erfüllt, kann der Factor den Forderungsverkäufer wieder in die Pflicht nehmen. In der Regel wird es so gehandhabt, dass der Factor zur Absicherung dieses Risikos und bis zur endgültigen Zahlung durch den Schuldner einen vereinbarten Teil des Kaufpreises zurück.

Der Vertrag über das echte Factoring ähnelt also am ehesten einem Kaufvertrag, wogegen das unechte Factoring eine Verwandtschaft zum Darlehensvertrag hat.

Für wen eignet sich Factoring?

Die Factoring-Anbieter deklarieren die Eignung der Geschäftsvorgänge wie folgt:

– Es soll sich um regelmäßige Abnehmerbeziehungen im B2B Sektor handeln.
– Es sollte eine gut ausgeprägte Produktpalette vorhanden sein.
– Das maximale Zahlungsziel sollte höchstens 90 Tage betragen.
– Der Umsatz je Auftrag beläuft sich auf eine Spanne von 200  bis 10.000 EUR.
– Man sollte mit gesicherten Bilanz- und Ertragsverhältnissen aufwarten können.

Für wen ist Factoring weniger geeignet?

– Es handelt sich bei den Kunden vorwiegend um Privatkunden.
– Die Struktur besteht hauptsächlich aus Kunden mit einmaliger Abnahme von Waren.
– Das Segment sollte nicht aus Wirtschaftsbereichen mit schlechter Bonität kommen (Anlagenbau, Bauwesen, Transportwesen).
– Die Kunden sollten nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken.

Was ist der Unterschied zwischen Factoring und Inkasso?

Das Inkasso befasst sich genau wie das Factoring mit der geldlichen Einziehung einer Forderung. Vom Charakter her ist das Factoring aber eher als eine Finanzierungsart anzusehen. Forderungen werden gekauft.

Das Inkasso ist eine Dienstleistung. Bei dieser ist vertraglich definiert, dass über das Inkasso-Unternehmen einzelne Forderungen eingezogen werden.

tl;dr

Factoring ist dann eine effektive Finanzierungsalternative, wenn Sie langfristige und stabile Kundenbeziehungen haben und über diese ausgewählten Kunden vertraglich mit einem Factor einen Forderungsverkauf vereinbaren.

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