Warum scheitern Existenzgründer?

Das Existenzgründungen nicht immer Erfolgsgeschichten sind, ist hinlänglich bekannt. Wenn man sich die Gründe des Scheiterns genau anschaut, erkennt man, dass es meist die gleichen bzw. ähnlichen Themen als Ursache sind.

1. Die finanzielle Ausstattung des Unternehmens

Wenn ich Businesspläne von Gründern lese, so sind sie bezüglich der geplanten Erträge bzw. Margen meist zu optimistisch geplant. Wenn dann die Frage nach der Grundlage der Planung kommt, erkennt man meist eine Rückwärtsrechnung: Was brauche ich an Umsatz? – Das bedeutet bei Preis X einen Absatz von Anzahl Y. Zu X und Y gibt es aber selten belastbare Kalkulationen oder Marktanalysen.
Ebenso wird das Kapitel der Anschaffungen und Kosten unterschätzt. Entweder fehlen essentielle Punkte ganz oder sie sind mit der “heißen Nadel” kalkuliert, damit am Ende die Rechnung aufgeht.

Wenn es dann doch Finanzierungen zur eigenen Unternehmung gibt,so werden die Mittel nicht immer bestmöglich und sparsam eingesetzt, bestes Beispiel ist der beliebte Kaffeevollautomat für 1000€ in der Geschäftsausstattung.

2. betriebswirtschaftliches Grundwissen

Ohne diese Kenntnisse sind viele Gründungen bereits sehr früh zum Scheitern verurteilt.

Eine gute Geschäftsidee nutzt recht wenig, wenn sie nicht mit dem erforderlichen Handwerkszeug umgesetzt wird. Natürlich kann man sich KnowHow einkaufen, keine Frage. Ein Steuerberater wird oft buchhalterische Feinarbeiten übernehmen. Aber Aufgaben von der Kostenrechnung und der Kalkulation über Fragen zur Beschaffung und dem Marketing bis zu Themen der Unternehmensplanung sollten fachlich zumindest einem der Gründer nach betriebswirtschaftlichen Grundlagen keine Probleme bereiten.

Wenn also Gründer merken, an der einen oder anderen Stelle Defizite zu haben, ist es keine Schande, sich zumindest temporär externes KnowHow ins Haus zu holen. Diese Investition lohnt sich.

3. Vertrieb

Viele Gründer versuchen, sich dem Thema Vertrieb bzw. Verkauf mit viel Phantasie zu entziehen. Da begegnen einem schon Aussagen wie “Gute Produkte verkaufen sich von selbst” oder “Wenn der Markt mein Produkt erst genug kennt, kommen die Käufer von selbst.” Viele gute Produkte haben aufgrund dieser Denkweise den Weg in die Schubladen dieser Welt genommen und kommen wohl kaum aus dieser Versenkung zurück.

Andere “erkennen”, dass Vertrieb zwar notwendig, aber doch nichts für einen selbst ist. Da wird dann dieses Thema nach außen z.B. an Handelsvertreter delegiert. Nichts gegen Handelsvertreter, sie machen mit Sicherheit einen sehr guten Job, aber gerade für den Gründer ist Vertrieb ein Kernthema, dass er nicht delegieren darf. Wie soll der Kunde von einem Produkt überzeugt sein, wenn er den Eindruck gewinnen muss, dass es der Unternehmer nicht einmal selbst ist? Sonst würde er ja diese Überzeugung Vis à Vis im direkten Verkaufsgespräch rüberbringen.

4. Stärken-Schwächen Analyse

Stärken sind meist leicht erkannt, werden aber oft gegenüber vorhandenen Schwächen überbewertet. Durch Stärken bieten sich Chancen, aber Schwächen wirken mit ihren Risiken der Nutzung dieser Möglichkeiten entgegen. Nur durch eine genaue Analyse der vorhandenen Schwächen und Potentiale ist eine realistische Standortbestimmung möglich.

5. eigene Ansprüche

Gründer sollten sich von Anfang an bewusst sein, dass sie in den ersten Monaten oder sogar Jahren nicht an eine 40h Arbeitswoche denken brauchen. 60h und mehr je Woche sind keine Ausnahme. Passt die Lebensweise dazu? Ist der eigene Lebensstil damit vereinbar? Steht der Lebenspartner, die Familie uneingeschränkt zum Thema und damit auch hinter dem Gründer.

Oft werden gerade diese Aspekte unterschätzt und ein eigentlich tragfähiges Unternehmen gerät wegen solcher Probleme in die Schieflage.

Ich möchte mit dieser Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Es sind aber die Themen, die mir in meiner beruflichen Tätigkeit als Unternehmensberater sehr oft als Gründe für das Scheitern von Existenzgründungen begegnet sind.

Teile diesen Beitrag auf folgenden Kanälen