Wie “schlägt” sich die Generation 45+ als Existenzgründer?

Ich berate und begleite Unternehmer in verschiedenen Altersklassen. Das sind die Jüngeren mit Anfang-20er genau so wie die Mitt-50er. In der letzten Zeit wird nicht nur in der Presse öfters die Frage aufgeworfen, wie sich denn die Generation 45+ als Existenzgründer schlägt. Bewältigen diese die Herausforderungen genau so erfolgreich wie die der “U40”? Ich habe aus meinen Erfahrungen heraus versucht, auf diese Frage eine Antwort zu finden.

Zuerst sollte man die Frage der Motivation näher betrachten. Junge Leute wollen meist wirtschaftlichen Erfolg, die Umsetzung von neuen Ideen und finanziellen Aufstieg. Bei den älteren Gründern werden oft der Wunsch nach Anerkennung (auch von bisher geleistetem), das Arbeiten auf Gebieten mit hohem eigenen Erfahrungsschatz und natürlich die Weiterführung eines proaktiv geführten Lebens z.B. nach einem unfreiwilligen Ausstieg aus dem bisherigen Arbeitsverhältnis genannt.
Es gehören natürlich noch eine Reihe weiterer Eigenschaften und Kompetenzen zu einem erfolgreichen Unternehmensstart. Diese gelten unabhängig vom Alter des Gründers bzw. der Gründerin. In anderen Blogbeiträgen habe ich dazu das eine oder andere geschrieben. Allerdings lassen sich doch diverse Unterschiede in der Herangehensweise an die Gründung des eigenem Unternehmens beobachten, wenn man das Alter in Betracht zieht.

Junge Gründer haben oft noch keine allzu festen sozialen Bindungen. Je später man das Thema Existenzgründung angeht, umso größer wird der Spagat zwischen Familie und Unternehmen, welcher jeden Tag aufs Neue zu bewältigen ist. Junge Gründer haben es auch leichter, für sich weitreichende Entscheidungen zu treffen. Die finanzielle Ausgestaltung des Lebens ist bei ihnen noch unkritischer als bei den gesetzteren 45+.
Ältere Gründer verfügen im Gegenzug über einen sehr hohen Erfahrungsschatz und ein gut funktionierendes Netzwerk, welches sie verstehen zu nutzen. Dabei scheint hier von entscheidender Bedeutung zu sein, ob und wie lange man schon arbeitslos war, bis man sich an die neuen Aufgaben heranwagt. Gerade ältere Gründer verlieren schneller den Anschluss und scheitern dadurch öfter. Weiterhin nicht zu unterschätzen ist die deutlich höhere Lebenserfahrung bei den 45+, welche sich im täglichen Miteinander bemerkbar macht.

Gründer der Generation 45+, die ich zu dem Thema befragt habe, antworteten oft positiv, wenn sie die Entscheidung zu Selbständigkeit Revue passieren lassen. Tenor ist: “Wenn ich etwas bereue, dann, dass ich es nicht schon 10 Jahre früher angegangen bin”, oder “in meiner früheren Tätigkeit fühlte ich mich eingeengt und unterfordert. Jetzt kann ich meine Vision leben”.

Daher bleibt für mich als Resümee, dass es nicht unbedingt die Frage des Alters ist, ob eine Selbständigkeit von Erfolg gekrönt ist, sondern eher, ob die Persönlichkeitsmerkmale und die jeweiligen Kompetenzen zum Gründungsvorhaben passen.

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